Material · · 4 Minuten Lesezeit
Warum bei uns
alles älter wird.
Wir behalten die meisten Häuser, die wir sanieren. Das verändert die Materialwahl grundlegend, weil wir in zwölf Jahren selbst derjenige sind, der die Rechnung bekommt.

Die Rechnung, die alles verändert
Wer saniert, um zu verkaufen, optimiert auf den Zustand am Tag der Übergabe. Wer saniert, um zu behalten, optimiert auf den Zustand in fünfzehn Jahren. Das klingt nach einer Nuance und ist in Wahrheit eine völlig andere Materialliste.
Ein Beispiel: Eine Küchenfront aus foliertem Span kostet bei uns ungefähr 40 Prozent weniger als eine aus massiver Eiche. Sie sieht am Einzugstag genauso gut aus. Nach acht Jahren löst sich die Folie an den Kanten über dem Backofen, und die Front muss ersetzt werden. Die Eichenfront kann man schleifen und nachölen, das kostet einen Nachmittag und sieht danach besser aus als vorher, nicht schlechter.
Vier Materialien, bei denen wir nicht verhandeln
Eiche, massiv
Für Böden, Küchenfronten, Fenstersimse und Treppenstufen. Eiche ist hart, verträgt Feuchtigkeit und lässt sich mehrfach abschleifen. Ein Parkett von 1908 kann man dreimal abziehen und hat danach noch immer Nutzschicht. Kein Vinylboden der Welt kann das.
Kalkputz statt Dispersionsfarbe
Kalkputz nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab. In einem Altbau mit unregelmässigem Mauerwerk ist das der Unterschied zwischen einer Wand, die atmet, und einer, die hinter der Farbschicht schimmelt. Er ist zudem von Natur aus alkalisch, Schimmel wächst darauf schlecht, ganz ohne Zusätze. Der Nachteil: Er kostet in der Verarbeitung etwa das Doppelte und braucht einen Maler, der ihn beherrscht.
Messing und Chromstahl, kein verchromter Zink
Beschläge, Griffe und Armaturen sind die Teile, die am häufigsten berührt werden. Verchromte Zinkdruckguss-Griffe sehen im Katalog identisch aus und blättern nach ein paar Jahren an genau den Stellen, wo die Hand liegt. Massives Messing wird stattdessen dunkler, was manche stört und wir schön finden.
Linoleum, wo kein Holz hingehört
In Waschküchen, Kellerräumen und Nebenzimmern nehmen wir Linoleum: Leinöl, Harz, Holzmehl, Jute. Es ist reparierbar, antistatisch, vollständig kompostierbar und hält dreissig Jahre. Es ist nicht billiger als der PVC-Belag daneben, aber es riecht nach vierzig Jahren immer noch nicht nach Keller.
Wir kaufen keine Materialien, die neu am schönsten sind.
Wo wir bewusst sparen
Diese Haltung wäre unbezahlbar, wenn wir sie überall durchziehen würden. Also sparen wir konsequent an anderer Stelle:
- Keine Einbauschränke nach Mass, wo ein Möbelstück reicht. Ein Schrank, der bleibt, wenn die Mieterschaft wechselt, muss nicht eingebaut sein.
- Keine Designerleuchten. Wir setzen Anschlüsse an die richtigen Stellen und lassen die Wahl der Lampe den Menschen, die dort wohnen.
- Keine Smart-Home-Technik. Elektronik veraltet in sieben Jahren, eine Wand hält hundert. Was wir einbauen, sind Leerrohre, damit spätere Technik ohne Stemmarbeiten hineinkommt.
- Keine bodentiefen Fenster in Altbauten. Sie sind teuer, sie passen selten zur Fassade, und sie kosten im Winter mehr Energie, als sie an Licht bringen.
Was die Mieterschaft davon merkt
Ehrlicherweise: am Einzugstag wenig. Der Unterschied zeigt sich im fünften Jahr, wenn die Küche noch immer aussieht wie im ersten, und im zwölften, wenn ein abgeschliffener Boden günstiger ist als ein neuer. Bis dahin bleibt es eine Behauptung, deshalb schreiben wir sie hier auf und lassen uns daran messen.
Konkret geworden?
Reden wir über
Ihr Haus.
Wenn Sie beim Lesen an eine bestimmte Liegenschaft gedacht haben: Ein erstes Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.