Energie · · 7 Minuten Lesezeit
Erst die Hülle,
dann die Heizung.
Die Wärmepumpe ist selten der erste Schritt, auch wenn sie der ist, über den alle reden. Warum die Reihenfolge über die halben Kosten entscheidet, und was der GEAK dabei taugt.

Der Fehler, den fast alle machen
Eine Ölheizung geht kaputt. Der Installateur kommt, rechnet, und vierzehn Tage später steht eine Wärmepumpe im Keller. Sie ist so dimensioniert, dass sie das Haus in seinem heutigen, ungedämmten Zustand warm bekommt, also gross. Zwei Jahre später wird die Fassade gedämmt und die Fenster ersetzt. Jetzt ist die Wärmepumpe deutlich zu gross.
Eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet: Sie schaltet ständig ein und aus, statt lange und langsam zu laufen. Das verkürzt ihre Lebensdauer und verschlechtert die Jahresarbeitszahl, die Kennzahl dafür, wie viel Wärme sie aus einer Kilowattstunde Strom macht. Aus einer 4,2 wird schnell eine 3,1. Das sind rund ein Viertel höhere Heizkosten, jedes Jahr, für die nächsten zwanzig.
Die Reihenfolge, die funktioniert
- Luftdichtheit und Fenster. Der billigste Schritt mit der grössten Wirkung. Zugluft an Fensteranschlüssen und Storenkästen kostet mehr Energie, als die meisten glauben.
- Dach und oberste Geschossdecke. Warme Luft steigt. Eine gedämmte Estrichdecke ist oft für unter 10'000 Franken zu haben und amortisiert sich in unter zehn Jahren.
- Fassade und Kellerdecke. Der teuerste Schritt, deshalb meist zusammen mit ohnehin fälligen Arbeiten an der Fassade.
- Erst jetzt die Heizung. Und zwar dimensioniert auf den neuen Wärmebedarf, nicht auf den alten. Bei uns ist die Wärmepumpe nach der Dämmung regelmässig eine bis zwei Leistungsklassen kleiner und entsprechend günstiger in Anschaffung und Betrieb.
- Photovoltaik zuletzt. Sie rechnet sich am besten, wenn der Strom im Haus selbst gebraucht wird. Erst mit der Wärmepumpe entsteht dieser Eigenverbrauch.
Diese Reihenfolge ist nicht immer machbar. Wenn die Ölheizung im Januar ausfällt, wartet niemand zwei Jahre. Dann gilt: Die Wärmepumpe auf den künftigen Bedarf auslegen und für die Übergangszeit die Vorlauftemperatur höher fahren. Das kostet zwei Winter lang etwas mehr Strom und danach zwanzig Jahre lang deutlich weniger.
Was der GEAK taugt
Der Gebäudeenergieausweis der Kantone bewertet ein Gebäude von A bis G, einmal für die Gebäudehülle und einmal für die Gesamtenergieeffizienz. Der einfache GEAK ist eine Momentaufnahme. Interessant ist der GEAK Plus: Er enthält einen Beratungsbericht mit drei Sanierungsvarianten, je mit Kosten, Einsparung und Fördergeldern.
Wir lassen bei jedem Ankauf einen GEAK Plus erstellen, bevor wir planen. Nicht weil der Bericht immer recht hat, sondern weil er die Diskussion versachlicht. Es ist erstaunlich, wie schnell die Frage „Wärmepumpe oder Pellets?“ verschwindet, wenn drei durchgerechnete Varianten auf dem Tisch liegen.
Beispielrechnung Feldweg 7
| Grösse | Vorher | Nachher |
|---|---|---|
| Heizsystem | Ölkessel, 1998 | Wärmepumpe Sole/Wasser |
| GEAK Gebäudehülle | F | B |
| Energiebezugsfläche pro Jahr | 142 kWh/m² | 48 kWh/m² |
| Heizkosten pro Wohnung | rund CHF 2'150 | rund CHF 780 |
| CO₂ pro Jahr | 38 t | unter 3 t |
Fördergelder: real, aber langsam
Das Gebäudeprogramm von Bund und Kantonen unterstützt Dämmmassnahmen, den Ersatz fossiler Heizungen und den GEAK Plus. Die Beiträge unterscheiden sich je nach Kanton erheblich, und die Regeln ändern sich. Drei Dinge gelten aber fast überall:
- Zuerst das Gesuch, dann die Baustelle. Wer vor der Zusage beginnt, verliert den Anspruch, das ist der häufigste und ärgerlichste Fehler.
- Der GEAK Plus wird oft selbst gefördert und ist häufig Voraussetzung für die weiteren Beiträge.
- Energetische Investitionen sind steuerlich abziehbar, in vielen Kantonen über mehrere Jahre verteilbar. Bei grösseren Sanierungen lohnt es sich, die Etappierung mit der Steuerberatung anzuschauen, der Effekt ist oft grösser als der Förderbeitrag selbst.
Der beste Zeitpunkt für die Dämmung ist, wenn das Gerüst ohnehin steht. Der zweitbeste ist jetzt.
Was wir daraus gemacht haben
Seit 2019 planen wir keine Heizung mehr, bevor die Hülle steht. Das hat in vier Projekten dazu geführt, dass die Wärmepumpe kleiner ausfiel als ursprünglich offeriert, zusammen rund 46'000 Franken weniger Investition, bei besseren Jahresarbeitszahlen. Die Reihenfolge kostet Geduld. Sie ist trotzdem der günstigste Teil der ganzen Sanierung.
Konkret geworden?
Reden wir über
Ihr Haus.
Wenn Sie beim Lesen an eine bestimmte Liegenschaft gedacht haben: Ein erstes Gespräch kostet nichts und verpflichtet zu nichts.